Als Frau im Show-Business – Beitrag zur #BleibDu- Aktion gegen Mobbing!

In Angie Thomas‘ Romanen „On the Come Up“ und „The Hate U Give“ wird das Thema Alltagsrassismus gegen Schwarze in Amerika thematisiert. Allein schon dieser tägliche Kampf und diese Ungerechtigkeit sind ein Thema für sich, doch „On the Come Up“ widmet sich noch einem zweiten Thema. Die 16-jährige Bri möchte Rapperin werden, wie ihr verstorbener Vater, doch schnell muss sie feststellen, dass für sie nicht die selben Regeln gelten wie für ihn.

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Nachdem Bris Song „On the Come Up“ überraschend ein Hit wird, wird sie zu einem Interview bei ihrem lokalen Sender eingeladen und soll dort mit DJ. Hype über ihren Song sprechen. Nachdem DJ. Hype ihren Song zuerst lobt, stellt er rasch in Frage ob Bri wirklich die Autorin des Songs ist oder ob sie einen Ghostwriter benutzt hat. Bri ist entsetzt von dem Vorwurf und kann es gar nicht fassen, dass DJ. Hype ihr so etwas unterstellt. Doch der Grund, weshalb er ihr das unterstellt, ist noch schokierender. DJ. Hype glaubt nicht, dass ein Mädchen so einen Text hätte schreiben können.
Anbei der Auszug aus dem Roman:

„Hör mal Baby Girl, ich will dir gar nicht zu nahe treten“, behauptet Hype, „ich liebe den Song. Ich muss aber auch gestehen, dass ich überrascht war, ein 16-jähriges Mädchen davon reden zu hören, bis auf die Zähne bewaffnet zu sein und solches Zeug.“ heißt es auf S. 392 im Roman. Bri bemerkt sofort, dass sie hier anders als ihr Vater behandelt wird und begibt sich in eine Diskussion mit DJ Hype, die ich euch hier zitieren möchte:

Nicht weil jemand mit sechzehn über so etwas rappt, sondern weil es ein sechzehnjähriges Mädchen war.
„Hat es dich auch überrascht, als mein Dad mit sechzehn darüber gerappt hat?“
„Nein.“
„Warum nicht?“
„Ah c’mon, du weißt, warum“, sagt Hype, „Das ist was anderes.“
„Wieso? Ich kenne Mädchen, die mit sechzehn, siebzehn bewaffnet waren und üble Sachen machen mussten, um zu überleben.“
Und die von einer SWAT-Einheit überwältigt wurde, der ihr Geschlecht verdammt noch mal egal war.
„Das ist einfach was anderes, lil’momma. Und ich bestimme die Regeln ja nicht“, sagt Hype, „Was ich meine, ist, sollen wir dir wirklich glauben, dass du losziehst und Leute wegpustest?“

Auszug aus „On the Come Up“ von Angie Thomas, S. 392.

Das ist nur eine kurze Passage, denn danach geht es weiter um das Thema Authentizität und wer Bris Song geschrieben hat. Doch es verrät uns einiges über die Einstellung der Männer in diesem Roman. Einerseits glauben sie, dass eine Frau nicht in der Lage wäre einen Rap Song zu schreiben, in denen es um Themen wie das nackte Überleben und Gewalt geht, sondern dass dies dem „männlichen Genie“ vorbehalten wäre. Andererseits wird auch deutlich das für Bri andere Regeln gelten als Frau. Sie darf zwar rappen, aber sobald sie Themen wie Gewalt und Polizei anspricht, wird sie als „hoodlum“ (zu Deutsch: Gossenratte) oder „sassy“ bzw. „angry black women“ abgestempelt. Klischees die Bri nicht ausstehen kann – zu Recht!

Wer nun glaubt, dass dies nur eine überzeichnete Charakterisierung in einem Roman ist, um diesen glaubhafter zu machen, der wird an dieser Stelle enttäuscht werden, denn das Thema Sexismus ist auch in unserem Alltag sehr real und geht über das Rap-Buisiness hinaus. Erinnert ihr euch an das Interview, das Pop-Sängerin Ariana Grande einmal gegeben hat, in dem sie gefragt wurde, ob es ihr schwerer fallen würde zwischen Make-Up und ihrem Handy zu wählen? Und als sie zurückfragte, ob der Interviewer annehme, dass dies die einzigen Dinge seien, die Männer glauben würden, die Frauen interessieren würden, bejahte der Interviewer das. Den genauen Wortlaut und das Interview kopiere ich euch hier rein:

Interviewer: „If you could use Make-Up or your phone one last time, what would you choose?“
Ariana: „Is this what you think girls have trouble choosing between?“
Interviewer: „Can you really go anywhere without your cellphone?“
Ariana: „Yes.“
Interviewer: „How long can you go without looking at your phone?“
Ariana: „Many hours.“
Als Ariana erklärt, dass sie gerne präsent ist und z.B. auch ohne ihr Handy essen geht, sagen die Interviewer: „Ladies, learn.“ Woraufhin Ariana schnell erwidert: „Boys learn!“

Leider ist das kein Einzelfall. In einem Red-Carpet Interview wurde Taylor Swift ebenfalls einmal gefragt, nachdem die Kamera ihre langen Beine gefilmt hatte, ob sie nicht heute mit vielen Männern das Event verlassen würde. Diese Stereo-Typen begegnen erfolgreichen Frauen immer wieder. Warum ich euch den Clip von Ariana Grande eingefügt habe, ist, dass ich finde, dass sie die Situation sehr gut gelöst hat, in dem sie das Thema Sexismus offen angesprochen hat, in dem sie den Interviewer mit ihren Gegenfragen vor den Kopf gestoßen hat und deutlich gemacht hat, dass dies männliche Stereotypen über Frauen sind.
Auch Bris Interview geht in die richtige Richtung, denn sie fragt DJ. Hype, ob es ihn denn auch gewundert hat, dass ein 16jähriger Mann (in dem Fall ihr Vater) über Gewalt rappt. Hier merken wir auch, dass er Bri keine konkrete Antwort geben kann, er sagt, er habe die Regeln nicht gemacht und es sei halt so. Im Buch lässt sich Bri dann schnell wieder von der Frage zu ihrem Ghostwriter triggern und das Thema wird fallen gelassen, aber eigentlich wäre das ein guter Ansatz gewesen, um weiter zu diskutieren. Ich denke es ist wichtig in solchen Situationen den Finger auf die Situation zu zeigen und weiter darüber nachzudenken: Warum ist es so? Warum gilt das für mich aber nicht für ihn? Das macht Ariana Grande und auch in Teilen Bri.

Ich sehe aber auch eine große Veränderung in der Wahrnehmung des Themas. Gerade im Bereich der Schauspieler und Filme. Schließlich haben wir mit „Wonder Woman“ und „Captain Marvel“ starke, weibliche Superhelden als Vorbilder erhalten, während das Thema Superhelden in der Vergangenheit eher von Männern dominiert war. Die Veränderung in der Wahrnehmung möchte ich euch an den zwei unten stehenden Videos aufzeigen.
Vor sieben Jahren wurde Scarlet Johansson im Interview gefragt, ob sie denn Unterwäsche unter ihrem Kostüm tragen würde, während ihr Kollege Jeremy Renner nach seinen Stunts gefragt wurde. Auch hier lässt sich Scarlet nicht unterkriegen und spricht die Ungerechtigkeit an.

Drei Jahre später gibt Scarlet Johansson erneut ein Interview, diesmal allerdings mit Co-Star Mark Ruffalo und die Cosmopolitan-Interviewerin spricht die vergangenen Interviews sofort an und beklagt, dass Scarlet Johansson immer mit den selben Fragen geplagt war. Diesmal soll der Spieß jedoch umgedreht werden und während Scarlet zu ihren Stunts und dem Charakter von Natasha interviewt wird, muss Mark Ruffalo diesmal die Fragen nach Make-Up, Red-Carpet Posen und Outfits beantworten. Für beide Stars eine neue Erfahrung, die sie mit viel Humor nehmen.

Wie wir also auch am Beispiel von Scarlet Johansson sehen: Wenn mit Sexismus konfrontiert, nicht einfach herunterschlucken und akzeptieren, sondern es lohnt sich etwas dazu zu sagen und den Gesprächspartner darauf aufmerksam zu machen. Sie mögen es nicht immer verstehen, wie beispielsweise dieser Journalist, aber in einigen Fällen kann es auch vorkommen, dass Gesprächspartner gar nicht so sehr über ihre Wortwahl nachgedacht haben und beim nächsten Mal bedachter reagieren.

Auch gibt es keine stereotypen „Männerthemen“ oder „Frauenthemen“ wie es im Ariana Grande Interview oder auch in Bris Interview heißt. Gerade in der heutigen Gesellschaft werden die Trennwände aufgerissen und Beauty Gurus wie James Charles und Jeffree Star zeigen uns, dass Make-Up durchaus auch ein Thema für Männer ist und Frauen wie Scarlet Johansson zeigen uns, dass Frauen auch Motorräder mögen können.

Um den Bogen wieder zurück zu Bri aus „On the Come Up“ zu spannen. Auch sie wird mit dem Thema „Frauenthemen“ und Klischees konfrontiert, als Supreme sie ins Studio bringt und ihr anbietet, dass sie mit einem renommierten Rapper aus dem Ring einen Song aufnimmt. Zuerst ist Bri hellauf begeistert, dass sie einen Song aufnehmen kann, doch schnell verebbt die Begeisterung, als es heißt, dass ihr männlicher Kollege den Song schreibt und ihr ihre Stimme genommen wird. Als ihr der Song schließlich vorgelegt wird, kann sie nicht fassen, was sie dort liest, denn sogar die Lyrics betonen, dass sie eine Frau ist und über Frauenthemen zu rappen hat. Dies macht u.a. diese Line deutlich:
„In the hood they call me PMS, I make chicks bleed“ (S. 423)- eine Referenz auf ihre Periode. Hier wird wieder deutlich, was passiert, wenn Männer denken, dass sie die Themen kennen, über die Frauen sprechen würden, denn wir Frauen sprechen nicht immer nur über Handys, Make-Up und unsere Periode. Im Endeffekt tut Bri das einzig richtige in dieser Situation: Als sie auftreten soll und den Song performen soll, verweigert sie sich und singt stattdessen einen Freestyle-Rap. Somit sagt sie einerseits Nein dazu eine Gangster-Rolle zu spielen, die Supreme ihr aufzwingen soll und andererseits sagt sie auch Nein zu dem sexistischen Stereotyp, dass Supreme und der Manager aufzwingen wollen. 
Was können wir also von Scarlet Johansson, Ariana Grande und Autorin Angie Thomas mitnehmen? Sagt Nein zu Sexismus und sprecht es an, wenn ihr damit konfrontiert seid.

Dieser Beitrag gehört zu der #BleibDu Aktion , organisiert von der Netzwerkagentur Bookmark und Authors Assistant. Hier findet ihr u.a. Artikel zum Thema Mobbing und Mobbingprävention.

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